Abiturtreffen des Abi-Jahrgangs 1964

So aufregend und schon gar nicht mit Leichen ausgestattet wie einst 2010 das Klassentreffen des Kölner Tatort-Kommissars Max Ballauf im Bergischen Land verlief das Wiedersehen der Deggendorfer Oberschüler aus den Jahrgängen 1943-1945 im Kolpinghaus nicht. Zum Kaffeetrinken und Gedankenaustausch hatten sich zahlreiche „Ehemalige“ hier eingefunden, die eines gemeinsam hatten: Vor nunmehr 55 Jahren zitterten sie gemeinsam mehr oder weniger der im Juni dräuenden Reifeprüfung entgegen, die für alle den Eintritt vom Jugend- ins mehr oder weniger gewünschte Erwachsenen-Dasein bedeutete.

In alle Winde zerstreuten sich die 43 Absolventen der ehrwürdigen höheren Deggendorfer Lehranstalt, nachdem ihnen OStD Walter Habersetzer die Abiturzeugnisse mit gesetzten und humorigen Worten in der damaligen Turnhalle überreicht hatte, um geradlinig oder auch auf Umwegen die Fährnisse des folgenden Erwachsenen-Daseins zu meistern. 32 von ihnen sind bis in die Gegenwart übrig geblieben, und es ist den Bemühungen des umtriebigen damaligen Mitschülers und heutigen Deggendorfer Stadtrats Wolfgang Lorenz zu verdanken, dass aufgrund intensiver Recherchen, zahlloser E-Mails und hartnäckiger Telefonate, die er im Laufe der letzten Jahrzehnte führte, eine nahezu komplette Liste der Klassenkameraden erstellt werden konnte.

Über 16 von ihnen nahmen gerne die teils mühevolle Anreise in die alte Heimat auf sich, und mit großem Hallo wurden die alten Freunde und Freundinnen begrüßt, die man teilweise seit einem halben Jahrhundert nicht mehr gesehen hatte. Nach intensivem Austausch von alten Erlebnissen und neuen Erkenntnissen kam man zu dem Schluss, dass die Schulzeit doch schön und spannend war, und viele Erinnerungen wurden wach, etwa an die „Bulldog Marie“, „Stoiber-Nandl“, den „Moartl“, „Schachterl“, „Texas“, „Stier Jackl“ oder „Knacker“ und wie sie noch alle hießen, von denen leider keiner mehr unter den Lebenden ist.

Erlebnisse boten auch die damaligen Hotspots: Die „Bäcker-Mari“ oder das nahe Café Bredl in Pausen und Freistunden, Aman-Klause, die Eisdiele Fontanella am Stadtplatz oder die Milchbar beim Kaufhaus Dressier.

 

„Fortgeschrittene“ bevorzugten den Bachuskeller oder Gambrinus. Die Absolventen des Tanzkurses trafen sich zum 5-Uhr-Tee im Café Wiedemann, wo Otto Grundwürmer mit seiner Band aufspielte, abendliche Unterhaltung bot das Café Mitterwallner, und einen Absacker wie z.B. den angesagten „Nikolaschka“ gab es zu später Stunde noch bei Charly Bäumler in der schummrigen Bar. Dort fiel den 18- und 19-jährigen Lausern auch so mancher Unsinn ein, etwa im Auto das Rathaus, das auch die Wache der damaligen Stadtpolizei beherbergte, so lange zu umrunden, bis die Ordnungshüter vor die Tür traten, um nach dem Rechten zu sehen.

Dann war schnelles Verschwinden angebracht. Beim 55-jährigen Jubiläumstreffen allerdings war das Gegenteil der Fall…!