Klassentreffen der drei Abschlussklassen von 1971 nach fünfzig Jahren

Das Klassentreffen der drei Abschlussklassen des Comenius-Gymnasiums 1971 fand am 14. September 2021 in Deggendorf statt. Die letzten Klassentreffen waren von Rosi Wagner (geb. Unger) mitorganisiert worden, die sich wegen einer schweren Krankheit dieses Mal nicht an der Vorbereitung beteiligen konnte und leider wenige Tage vor dem Treffen verstarb. Natürlich ist man sich unter den etwa Siebzigjährigen, manche etwas jünger, manche etwas älter, bewusst, dass es immer weniger Teilnehmer werden, weil so manche aus Gesundheitsgründen verhindert sein können oder – noch schlimmer – versterben. Unser Klassenkamerad  Michael Schönberger verunglückte tragisch bereits im Juli 1971. Umso mehr freuten sich etwa vierzig Personen über das Wiedersehen.

Traditionell besichtigten wir zunächst die Schule und wurden fachkundig vom gut aufgelegten Oberstudiendirektor Martin Huber durch die Baustellen geführt. Es fiel dabei auf, dass die Schule, vielleicht wegen der Baumaßnahmen, ihren typischen Geruch verloren hatte, den wir neun bis elf Jahre in der Nase hatten und der zum Teil immer noch in unserem Geruchsgedächtnis gespeichert ist. Es sind wohl im Laufe der Zeit die Zimmer geschrumpft, denn wir hatten sie größer in Erinnerung. Wir waren jedenfalls noch nicht geschrumpft, denn sonst hätte uns ja die Größe beindruckt, was gerade nicht der Fall war. Der neue Physikbereich verwirrte manche Ehemalige. Einige setzten sich ins Gestühl und erinnerten sich, wie sie dort der „Knackerin“ (also der Frau vom „Knacker“ [Studiendirektor Heribert Arnold], die im wirklichen Leben Elisabeth Arnold hieß) lauschten, die uns den Unterschied zwischen Masse und Gewicht beizubringen versuchte und dabei den Mond ins Spiel brachte, wo wir alle trotz gleicher Masse „leichtgewichtiger“ wären. Aber nein, das war nicht unser alter Physiksaal, sondern ein neuer, den man hinten in einem Winkel noch angebaut hatte. Auch stand auf unserem Pausenhof, auf dem wir während der Pausen im Gegenuhrzeigersinn (warum eigentlich?) unsere Runden drehten, plötzlich ein Anbau im Weg, der jedes nostalgische Rundendrehen verhinderte.

Das Café Bredl, wo auch sonst, war dann unser zweiter Treffpunkt. Alle, so ist zu vermuten, konnten sich daran erinnern, dass wir uns dort bei jedem Klassentreffen einfanden. Herr Bredl jun., der zu unserer Schulzeit nur etwa einen Meter hoch und gewichtsmäßig natürlich etwas leichter war, begrüßte uns als Chef des Hauses freundlich und konnte sich an einige Gesichter noch erinnern, vor allem an die, die mit ihm in den Freistunden Schach spielten. Wir mussten ja die Freistunde nutzen, um für weitere Schulstunden die geistige Beweglichkeit, die uns alle so auszeichnete, zu bewahren. Die Torten und Kuchen von Bredl haben ihre herausragende Qualität über die Jahrzehnte bewahrt.

Abends war dann Essen im Hotel Höttl angesagt. Unser Englischlehrer Franz Schmuck und unser Französischlehrer Manfred Kleiner gaben uns die Ehre, und wir freuten uns sehr darüber. Herr Schmuck stellte – für uns nicht nachvollziehbar – fest, dass wir alle doch etwas älter geworden seien, er jedoch sah aus wie immer, keine Spur von 80 Jahren. Jeder, der ihn begrüßte, erinnerte ihn daran, dass er uns einst in der siebten Klasse aufgetragen hatte, aus dem Grundwortschatz des Klett-Verlags zu jeder folgenden Stunde zwei Seiten Englischwörter zu lernen. Viele protestierten damals wegen geistiger Überforderung dagegen, aber es war eine weise Entscheidung, denn wie soll man denn eine Fremdsprache beherrschen, wenn man keine Wörter kennt. Viele haben den Grundwortschatz noch heute im Besitz und schauen rein, wenn sie sich vorbereiten, um in Mallorca mit Engländern zu parlieren.

Der Abend dauerte lang, das Essen war köstlich, die Stimmung war gut und so vereinbarten wir, das nächste Klassentreffen bereits nach zweieinhalb Jahren durchzuführen, da uns ja sonst nur noch etwa sechs Klassentreffen verblieben. Wir versicherten uns dann alle wieder gesund und munter zu erscheinen!